Supervision, Schatten und Sätze, die bleiben
02.08.2025
Einblicke aus einem ehrlichen, therapeutischen Raum:
Letzten Freitag war ich bei der Supervision meines Ausbildungsinstituts in Berlin. Eine kleine, feine Frauenrunde – bestehend aus Sexualtherapeutinnen, Paarberaterinnen und Körperpsychotherapeutinnen. Ein geschützter Raum, in dem wir unsere Fälle reflektieren – vor allem die, die im wahrsten Sinne des Wortes nahe gehen. Die, an denen wir wachsen dürfen.
Wir tun das über Rollenspiele, durch Austausch, durch Theorien über die Schatten unserer Klient*innen. Und manchmal auch unsere eigenen.
Ein paar Sätze sind dabei gefallen, die in mir nachhallen. Weil sie so vielschichtig und ehrlich sind. Und weil sie Themen betreffen, die immer wieder auftauchen – und in manchen Fällen sogar häufiger werden.
Von heiß zu funktional – ein Klassiker
Beziehungsformen wie Freundschaft Plus bringen oft großartigen Sex – da ist Freiheit, Spannung, Anziehung. Doch wenn das Paar sich entscheidet zusammenzuziehen, verändert sich etwas.
Plötzlich ist da keine sexuelle Spannung mehr – obwohl sie als Team so gut funktionieren. Nähe kippt in Routine. Alte Verhaltensmuster werden getriggert.
Es zeigt sich: Erotik braucht Distanz. Spannung entsteht im Raum zwischen uns. Differenziert können wir uns wieder mehr erotisieren und dazu bedarf es Entwicklung.
„The quality of your relationships determines the quality of your life.“
— Esther Perel
Offene Beziehung – wer hält wirklich offen?
Eine Kollegin berichtet von einem Muster, das sie immer wieder beobachtet:
Ein Paar öffnet einvernehmlich die Beziehung. Und während die Frau Lust hat, Neues zu entdecken, fängt der Mann an, diese Beziehungsform zu sabotieren – direkt oder subtil.
Was vorher offen schien, wird plötzlich eng. Und unausgesprochen zeigt sich: Nicht beide wollen wirklich das Gleiche.
Sätze, die bleiben
In unserer Runde sind Sätze gefallen, die ich mitnehmen will. Weil sie mehr sagen als bloße Worte. Weil sie berühren.
- „Unser Job arbeitet mit uns.“
Die Themen unserer Klient*innen docken auch bei uns an. Oft heilt ein Teil in uns mit – ganz leise, im Hintergrund.
- „Auch in einer Luxus-Limousine weint man.“
Ein russisches Sprichwort. Weil es nicht darauf ankommt, wie gut das Leben im Außen aussieht. Jede trägt ihr eigenes Päckchen.
- „Du kannst sie nicht zur Entwicklung zwingen.“
Manchmal sehe ich als Beraterin, dass etwas nicht mehr gut tut. Doch das heißt nicht, dass die Klientin bereit ist, das auch zu sehen – Veränderung braucht den eigenen Impuls.
- „Frauen sagen oft, was sie denken, wenn ich sie frage, was sie fühlen.“
Wir sprechen über Männer, die ihre Gefühle nicht benennen können. Aber ehrlich – das ist für viele schwer. Gefühle wirklich im Körper zu spüren und zu benennen, verlangt Übung und Mut. Nicht nur von Männern.
- „In Erektionsproblemen steckt oft ein Rollenbild.“
Manchmal verhindern körperliche Symptome emotionale Intimität. Oder sie erzählen vom Druck, der auf Männern lastet: immer stark, immer funktional. Und irgendwann sagt der Körper: Stopp.
Was löst es in dir aus?
Vielleicht hat dich ein Satz besonders berührt. Vielleicht klang etwas nach.
Welche Gedanken kamen dir beim Lesen?
Ich lese sehr gern von dir.
LebensLustige Grüße Ela