Am Pool-Beckenrand: Vergebung, Selbstwirksamkeit und neue Wege der Liebe 


07.09.2025

 „Vergebung bedeutet nicht, das Geschehene ungeschehen zu machen. Vergebung bedeutet, sich nicht länger von der Vergangenheit gefangen nehmen zu lassen.“
 – Harriet Lerner 


 Ein Moment voller Leichtigkeit und Liebe

 Sommer 2025, Familienurlaub in Spanien, ich beobachte am Beckenrand sitzend meine 5jährige Tochter mit ihrem Vater, wie sie zusammen im Pool spielen. Ich weiß, dass mein Mann ihr gern das Schwimmen beibringen möchte, doch sie ist noch nicht so weit. Statt weiter auf sie einzureden, akzeptiert er es und die beiden verbringen eine herzerfüllende, spielerische Zeit mit Schwimmflügeln im Pool. 

 Die Suche nach verlorenen Kindheitsmomenten 

 Währenddessen hänge ich Erinnerungen oder besser gesagt fehlenden Erinnerungen hinterher, Erinnerungen an meine eigene Kindheit – ich kann mich beim besten Willen nicht an leichte, spielerische Zeiten mit meinem Vater erinnern. Ich wundere mich, denn ich bin der Überzeugung, dass es die gegeben haben MUSS, weil ich eine Frau bin, die sich darüber bewusst ist, dass es immer beide Seiten einer Medaille gibt. Es wird nicht viele gegeben haben, das weiß ich, aber es wird ein paar gegeben haben. 

 Vom Schmerz zur Selbstwirksamkeit 

 Ich bemerke neben diesen Gedanken auch Veränderungen in meinem Empfinden, wenn ich diesen eher traurigen Erinnerungen hinterherhänge – sie treffen mich nicht mehr so wie noch vor 10 Jahren und auch nicht wie vor 5 Jahren.
 Früher wurde ich immer sehr, sehr traurig und bemitleidete mich selbst wegen dem Umstand, dass ich keine gute Beziehung mit meinem Vater aufbauen konnte. Gab ihm die Schuld daran, dass mein Leben so verkorkst ist, ich nichts auf die Reihe bekam und keine Bindungen über das Verliebtsein oder dem unverbindlichen Sex aufbauen konnte. 


Diese Empfindungen sind jetzt komplett weg, ich habe Mitgefühl mit meiner kleinen Ela, aber ich gebe dem Umstand, dass mein Vater mir nie seine Liebe zeigen konnte, keine Macht mehr über mein jetziges Leben und meine Beziehungen. Klar kommen manchmal noch alte Verhaltensmuster aus dieser Zeit, wenn ich von etwas, was mein Mann macht, getriggert werde, doch ich erkenne es und kann bewusst gegensteuern. 

 Vergebung statt Vergessen

Dieser kleine Moment am Pool-Beckenrand ist ein wichtiger Erkenntnis-Punkt hinsichtlich meiner eigenen Arbeit an mir, meiner Selbstwirksamkeit und ich bin meinem Past-Self von vor 9 Jahren unendlich dankbar, dass sie den Weg gegangen ist, den ich immer noch weitergehe.
 Ich habe meinem Vater tatsächlich vergeben, ich weiß, er konnte nicht anders – er ist in einer Generation geboren, die Trauma erlebt und nicht verarbeiten konnte und dementsprechend nur aus seinen unterdrückten Emotionen handeln konnte, wenn es schwierig für ihn wurde. Und Kinder zu haben, wirft Eltern sehr in ihre Schatten zurück. 

 Neue Wege für mich – und für andere 

 Ich habe das anders gemacht. Ich habe mich entschieden, an mir zu arbeiten. Ich habe mich dagegen entschieden, meine alten Emotionen über mein Verhalten im Jetzt bestimmen zu lassen, und ich bin so froh, dies auch in meiner Beratung an andere Menschen weitergeben darf. 

Wenn du dich angesprochen fühlst, schreib mir. Ich freue mich, von dir zu lesen.
LebensLustige Grüße Ela